Schoko-Ostereier auf dem Moselsteig

Ostern auf dem Moselsteig - mehr über die besondere Trekkingtour im Beitrag
Die schönsten Naturmomente können wir oft erst wahrnehmen, wenn wir draußen bleiben. Ein langes Wochenende auf dem Moselsteig und was in du in 3 Tagen und 2 Nächten "Rauszeit" alles erleben kannst, liest du hier.

Wir müssen unbedingt raus

„Iwi, was machst du an Ostern? Uns fällt die Decke auf den Kopf. Wir müssen unbedingt raus.“ Diese Nachricht von Martina war eindeutig. Gr0ßstadt-Overload und keine Aussicht auf ein kommendes Abenteuer. 

Da ich sowieso einen weiteren Teil des 400km langen Moselsteigs an den Osterfeiertagen erkunden wollte, schlug ich den beiden Berlinern vor, ab Karfreitag für 2- 3 Tage mitzukommen. Mit Zelt und Rucksack den Moselsteig flussaufwärts folgend ohne feste Zielvorgabe. So weit die Füße uns tragen ohne den Anspruch auf eine bestimmte Kilometerleistung. Nicht zu feste Planungen vorab zu machen, das war mir wichtig. Beim unterwegs sein kann so viel mehr entstehen. 

Für Martina und Gaston klang das genau richtig. Neue Wege entdecken und ein kleines Abenteuer zum drauf freuen. 

Sonnenaufgang über dem Biwakplatz am Moselsteig
Sonnenaufgangsstimmung
Mediterran anmutende Aussicht vom Moselsteig auf das Moseltal in der Abendsonne
Mediterraner Moselsteig

Von der Sonne wachgekitzelt 🌞 & schlafen mit Mond- und Sterneblick 🌕

Das war die unkomplizierte Vereinbarung. Voller Vorfreude düsten die beiden Berliner bereits am Gründonnerstag gen Moselsteig. Ich empfahl noch einen lokalen Weinhändler, damit die beiden einen angemessenen Empfang an der Mosel begehen konnten. Am Karfreitag Morgen bekam ich gleich zur Begrüßung eine Flasche Wein noch am Auto in die Hand gedrückt. Nicht zum sofort trinken, aber für den Abend. Unsere Begleitung war auf Nummer sicher gegangen . An den Karfreitag mit seiner Bedeutung in katholisch geprägten Gebieten wie Rheinland – Pfalz hatte ich gar nicht mehr gedacht. Und so war es dann auch. Karfreitag auf dem Moselsteig fühlte sich an wie Wandern nach einer Zombieapokalypse. Außer unserer kleinen Gruppe trafen wir auf dem Moselsteig keine Menschenseele. Bis ich mir auf dem Weg nach Cochem hinein äußerte „So eine Falafel-Sandwich in Cochem irgendwo wäre jetzt toll“.

the trail provides

Kaum um die erste Häuserecke der City Cochem gebogen, bewahrheitete sich mal wieder die Aussage „The trail provides“. Da war schon der erwünschte Falafel-Imbiss. Überhaupt war die ganze Innenstadt im Gegensatz zu den vorherigen Orten gut besucht. Man konnte sogar Lebensmittel kaufen. Das Nötigste allerdings nur – Wein und warmes Essen.

Gut gestärkt verließen wir die Stadt am späten Nachmittag so schnell wie möglich. An den Moselufern war es durch das Wasser und den auffrischenden Wind nämlich wesentlich kühler als weiter oben in den Weinbergen. Außerdem war die Abendsonne auf den Hängen viel länger zu sehen. So viel Zeit hatten wir allerdings gar nicht mehr, um bei Tageslicht noch einen schönen Schlafplatz zu finden. 

Dank Kartenmaterial und  Komoot-App konnten wir uns einen Überblick verschaffen, wo der Moselsteig in der nächsten Stunde verlaufen würde. Auf den analogen und digitalen Karten sah das nach perfekter Steillage aus. Gut für die Weinqualität , allerdings nicht zum Schlafen. Oberhalb des Moselsteigs war noch ein Trimm-Dich-Pfad im Wald eingezeichnet.  Da Wald grundsätzlich besser zum Schlafen ist, kraxelten wir den ganzen Steilhang hinauf.  Et voilà ! Wenige hundert Meter weiter präsentierte sich ein wunderschöner Picknickplatz mit wunderschönem Moselblick. Der Ort war leider nicht nach dem „Leave-no-Trace“-Manifest behandelt und hinterlassen worden. Nachdem wir mit dem Aufsammeln von Plastikmüll-Resten fertig waren, bauten wir unser Lager auf. Wir waren zwar nicht so weit entfernt von einem Waldweg , rechneten am nächsten Morgen nicht mit frühen Vögeln.

Das sollte sich als Irrtum herausstellen. 7 Uhr morgens trällerte uns die erste Joggerin im Vorbeilaufen ein fröhliches „Guten Morgen“ entgegen.

Der lAnge Weg und die "Novinophobie"

Der nächste Ort nach Cochem mit dem unverwechselbaren Namen *Bruttig-Fankel* wirkte an den Osterfeiertagen auch eher verlassen. Unsere Gruppe wollte auch nur Wasser auffüllen und wir waren gewillt, dafür notfalls an irgendeinem Haus zu klingeln. Es kam allerdings viel besser, denn der örtliche Dönergrill- Imbiss hatte geöffnet! Wer hätte gedacht, dass sich ein Paar gebürtige Berliner so über einen Döner-Imbiss freuen können 😉  Nach einer ausgiebigen Mittagspause ging es frisch gestärkt weiter Mosel-aufwärts. 

Schon in Beilstein überkam einige Mitläufer unserer Gruppe die „Novinophobie“. Das ist die Angst davor, dass der Wein ausgeht 🙂 Aus dieser Angst heraus, abends am Lagerplatz keinen Wein zu haben, klingelten sie bei einer Winzerfamilie. Was  jenseits der Mosel etwas befremdlich sein mag, ist dort ganz gängige Praxis. Wer Wein kaufen will, klingelt bei der bevorzugten Winzerfamilie und kauft die edlen Tropfen direkt aus dem familiären Weinkeller.  Besser geht es nicht! Zumal die Steillagen- Weine ohne Zwischenhändler auch richtig günstig sind.

Mit 2 Weinflaschen mehr im Gepäck war es schon eine Erleichterung, dass der Moselsteig bis Ediger – Eller weniger von steilen , schmalen Anstiegen und Gefällen durchzogen ist. Allerdings können die breiten Feld- und Weinbergswege, insbesondere an fortgeschrittenen Nachmittagen, auch recht zäh werden.

Selbst die erfahrenen Ultraläufer Martina & Gaston, die solche zähen Wegstücke zu Genüge kennen, hatten da gegen Abend einen mentalen Hänger. Denn wir brauchten auch noch einen geeigneten Biwakplatz für die Nacht.

Es ist ein Naturgesetz, dass der Trail stets liefert, wenn man es sich konkret genug wünscht. Endlich fanden wir auch einen Platz für die Nacht in einem richtig schönen Eichenwald. Martina war etwas verspannt. Spontan entschloss ich mich, sie in die Welt des Yogas einzuweihen. Nach ein paar Kriegern und Sonnengrüßen sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Yoga passt für mich auch noch besser nach draußen als in 4 künstliche Wände. 

Der mitgetragene Wein war der ideale Abschluss an einem kleinen, eingemauerten Lagerfeuer. Die einfachen Dinge lernt man unterwegs ganz besonders wieder zu schätzen.

Im Mondlicht wirkt das Elbsandsteingebirge ganz magisch
Moselsteigmarkierung am Baum mit bemaltem Stein , Zitat Wer das liest ist schön
Wer das lesen kann und auf die Details achtet...❤

schokoladenostereier zum Frühstück

Am Ostersonntag stand ich extra früh auf, um die bis dahin mitgetragenen Schokoladen-Ostereier für die anderen zu verstecken. Auch wenn Gaston erst nicht mit suchen wollte. JEDER findet Ostereier suchen toll. Wie hab ich das als Kind immer toll gefunden, wenn mir die Erwachsenen Osterleckereien versteckt haben, vor allem draußen im Wald. Und mal wieder Kind sein tut zwischendurch immer gut. Deswegen hatte ich die Schoko-Ostereier über 50 km weit getragen. Die leuchtenden Gesichter meiner Mitwanderer waren es wert. 

Die Mosel schlängelt sich durch die Landschaft

Auf dem steilsten Weinhang Europas

Gestärkt von dem Schokoeier-Frühstück kamen wir endlich gegen Mittag zu dem spannendsten Teil unserer Ostertour auf dem Moselsteig. Der „Calmont“ ist der steilste Weinberg Europas. Der sollte heute unsere Kür werden. Deswegen entschied sich unsere Wandergruppe einstimmig den Moselsteig kurzfristig zu verlassen und stattdessen den Klettersteig durch den steilen Weinhang es Calmont zu nehmen. Mit dem Trekking- Rucksack war das ein wirklich sportliches Unterfangen. Mit unserer allesamt identischen Schuhwahl des Hoka Speedgoat waren wir auf jeden Fall gut beraten, insbesondere mit unseren Trekkingrucksäcken auf dem harten, felsigen Untergrund. Der Klettersteig war ein echter Genuss und bis auf ein paar Stellen mit Sicherungen gab es da auch nichts zu sichern. Die Ausblicke und die uns umgebende Faune versetzten mich in eine mediterrane Bergwelt. Dieser Weg hier könnte genau so auf Korsika sein.

Zum Abschluss unserer Oster-Moseltour  gönnten wir uns noch einen edlen Moselwein von dem soeben auf dem Klettersteig passierten Calmont. An einem sonnigen Platz in der Moselschleife gegenüber des steilsten Weinberg Europas war der ideale Ort dafür. Es war zwar erst Nachmittag, allerdings ist Moselwein grundsätzlich zu gut, um ihn auf einem Parkplatz zu trinken.

Im kleinen Weinort Bullay beendeten wir unsere Moselsteig-Ostertour und fuhren mit dem Zug zurück zu unserem Startort Treis- Karden. Das Praktische am Moselsteig ist die wunderbare Zuganbindung entlang des gesamten Weges. So kann man flexibel wieder zum jeweiligen Startort fahren. Die meisten größeren Orte entlang der Mosel sind mit dem Zug gut zu erreichen.

Zurück in Treis – Karden gab es noch eine leckere Pizza-to-go als Abschluss mit einer großartigen Aussicht auf die Weinberge. Gaston und Martina waren nach den 3 Tagen Moselsteig zufrieden und entspannt , hatten den Alltagstrubel hinter sich gelassen. Wir können so schnell und effektiv abschalten, wenn wir ein paar Tage raus in die Natur gehen und dabei auch mal neue Landschaften entdecken. Es braucht ganz wenig dazu. Was wirklich zählt sind die einfachen Dinge im Leben.

Die nächste Moseltour steht schon sehr bald an. Ab dem 20.04.21 wird es eine längere Tour auf dem Moselsteig geben. 5 Tage RAuszeit mit großartigen Mosellandschaften, schmalen Wegen, atemberaubenden Sonnenuntergängen und leckerem Moselwein. Mehr dazu gibt es dann wieder hier zu lesen.

Wenn du selbst Lust auf eine Trekkingtour auf dem Moselsteig oder anderen schönen Wegen Lust hast, melde dich gern schriftlich oder telefonisch bei mir. Auch die notwendige „Hardware“, die du bisher nicht besitzt, kann ich dir zur Verfügung stellen.

NEVER STOP EXPLORING!

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Roaming4roots

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Iwi, Gründerin von Roaming for Roots, ist eine passionierte Naturliebhaberin. Sie liebt es, Outdoor unterwegs zu sein und ihre Mitmenschen für das einfache Draußensein zu begeistern und sie dahin zu begleiten.

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